2016

Pädagogischer Tag am 24.06.2016 „Binnendifferenzierung“

Inklusion – Illusion oder ein langer Prozess? Von Rainer Köster

Individualisierung, Inklusion, Integration sind Begriffe, die auf der Agenda hessischer Schulen und darüber hinaus stehen. Der Pädagogische Tag 2016 hat daher sich zum Thema gesetzt, Binnendifferenzierung im Unterricht verstehbar und handhabbar zu machen.

Eingeladen war als Referent Herr Dr.Wensing von der Lehrerakademie des Querenburg-Instituts in Nordrhein-Westfalen, der seit Jahren sich mit Fragen zu diesen Themenkomplexen beschäftigt und Schulen bei der Umsetzung berät.

Aus dem Hochwasser-geschädigten Rheine angereist, hielt er zunächst einen längeren Vortrag über Inklusion und Binnendifferenzierung, um dem Kollegium dabei die Illusion zu nehmen, dass die Vorgabe des Kultusministeriums in wenigen Schritten und Maßnahmen, mit Hilfe einer Fortbildung z.B., leicht zu erfüllen sei. Inklusion beginnt bei jedem einzelnen, denn jeder fällt in gewisser Weise aus der Norm, schon als Brillenträger bedarf man inkludierender Hilfen; scheinbar alltägliche Unterschiede können denn auch sich zu ungeahnten Hindernissen bei Bildungs- und Erziehungsarbeiten entwickeln. Dass jeder auf seine Weise einzigartig ist, wurde daher schnell bewusst. Dass kollektive Lernprozesse nicht einfach naiv im Gleichschritt organisiert sein können, auch. Die Aussicht, dass man – einmal auf dem Weg – frühestens im Jahre 2030 von einer inkludierenden Schule sprechen könne, entlastete die Erwartungen der Teilnehmer wohltuend einerseits, schärfte jedoch den Blick auch andererseits. Herr Wensing vermochte nicht nur die leichtfertigen bildungspolitischen Illusionen anhand zahlreicher Beispiele, auch aus seinem Werdegang, aufzuzeigen, die als Erwartungen an die Lehrerschaft, Inklusion oder Integration mittels Binnendifferenzierung zu verwirklichen, herangetragen werden.

Dennoch ist allen bewusst geworden, dass diese Aufgabe die Schule auf Dauer völlig verändern wird, nur Zeit muss man sich nehmen, daher die anvisierte Jahreszahl 2030.

Im Anschluss arbeitete das Kollegium in Kleingruppen zu unterschiedlichen Schwerpunkten, zu denen sie sich vorab eingewählt hatten. Herr Wensing betreute und begleitete uns mit Hilfestellungen und Rat und Tat:

1. Schwerpunkt "Inklusive individuelle Förderung": Umsetzung konkreter Maßnahmen

2. Schwerpunkt "sozial-emotionale Förderung" und Förderbedarf „Lernen“: Förderbänder und Förderworkshops

3. Schwerpunkt "Binnendifferenzierung": Ausgewählte Binnendifferenzierungsvarianten auch für LRS, z.B. Lernstildifferenzierung

4. Schwerpunkt "Binnendifferenzierung" Ausgewählte Binnendifferenzierungsvarianten, z.B. Kooperative Lernformen.

Die Arbeit erfolgte in zwei Phasen, unterbrochen durch die Mittagspause. Am Ende des Tages wurden die Ergebnisse vorgestellt.

Im Abschlussgespräch zeigte sich noch einmal, dass wir erst ganz am Anfang eines langen Weges stehen, der aber Mut macht, die nächsten Schritte zu tun, denen naturgemäß auch Rückschritte folgen werden. Vielgewonnen ist schon, dass man im „Umgang mit Menschen“, wie schon Adolph Freiherr Knigge wusste, sensibler und achtsamer und wertschätzender seine jungen und alten Zeitgenossen wahrnimmt.