Exkursion ins Kloster Lorsch

Am vergangenen Freitag machten sich die 8. Gymnasial-Klassen der AES unter Führung ihrer Geschichtslehrkräfte (Frau Brand, Herr Heidrich und Herr Schaal) auf den Weg ins naheliegende Lorsch, um sich im Rahmen des Unterrichtsthemas „Lebenswelten im Mittelalter“ auf den Spuren des damaligen Klosterlebens zu wandeln.

Während des Lehrausfluges erfuhren die Schülerinnen und Schüler Interessantes über die wechselreiche Geschichte des seit 1991 zum UNESCO-Welterbe gehörenden Benediktinerklosters: Im 8. Jahrhundert gegründet, wurde es bald ein Reichs- und Königskloster, das unter dem Schutz Karl des Großen stand. Da das Kloster die Reliquien des Heiligen Nazarius barg, wurde es schon früh zum Ziel etlicher Pilger. Durch zahlreiche Schenkungen in den folgenden Jahrhunderten besaß das Kloster einen enormen Grundbesitz und entwickelte sich bis zum hohen Mittelalter zu einem Macht- und Kulturzentrum. Infolge der Reformation wurde das Kloster jedoch im 16. Jahrhundert aufgehoben. Auch der Dreißigjährige Krieg im Folgejahrhundert verhieß nichts Gutes, da die Klosteranlagen den Bewohnern Lorschs und des umliegenden Landes als Steinbruch für ihre durch die Spanier zerstörten Häuser dienten.
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Neben der Geschichte des Klosters standen Erkundungen auf dem Programm: Während der eine Teil eine Führung auf dem Klostergelände sowie durch den Kräutergarten vornahmen, ging es für die anderen zum angrenzenden Freilichtlabor Lauresham, in dem ein karolingischer Herrenhof mitsamt den Wohn- und Wirtschaftsgebäuden nachgebaut wurde. Das theoretische Thema „mittelalterliche Grundherrschaft“ konnte so praktisch von den Schülerinnen und Schülern nachvollzogen werden. Allerdings staunten diese nicht schlecht, als sie erfuhren, dass die Archäologen die Häuser nur anhand von Erdverfärbungen rekonstruieren können - alle anderen Informationen kommen aus verschiedensten Quellen – oder aus gar keinen, sondern von den Vorstellungen der Wissenschaftler. Dennoch waren sich die Schüler einig, dass das Gesindehaus trotz Enge und fehlender Privatsphäre wahrscheinlich auch mit ziemlich viel Gestank und vielen Mägden doch viel gemütlicher sei als das saubere und sterile Herrenhaus, was wenig Spaß, sondern viel Strenge verspricht. Ob das wohl die Archäologen, die mehrmals im Jahr für ein Wochenende unter “Echtbedingungen” dort einziehen, auch so sehen – oder die Menschen vor 1.200 Jahren? Das werden wir wohl leider niemals erfahren. Auf dem Gelände werden nicht nur alte Gemüsesorten angebaut, sondern auch alte Nutztierrassen gezüchtet, was vor allem bei den Mädchen großes Entzücken ausgelöst hat: wie niedlich!

Während der Durchführung kurzweiliger und abwechslungsreicher Workshops erhielten die Schülerinnen und Schüler auf handlungsorientierte Weise weitere Einblicke in das Kloster- und Dorfleben. So mischte eine Gruppe Rosensalbe für die Hautpflege sowie einen Hustensirup jeweils mittelalterlichem Rezept aus dem Lorscher Arzneibuch zusammen, während eine zweite Gruppe wiederum Wachstafeln auf Basis von Bienenwachs herstellte und sich danach auch im Schreiben darauf übte. Eine weitere Gruppe beschäftigte sich mit der Herstellung von Tonfiguren und –formen für den mittelalterlichen Alltagsgebrauch. Schließlich stellten Schülerinnen und Schüler in einem vierten Workshop mittels Linolschnitt eigene Wand- oder Bodenfliesen im Stile der Fundreste der Klosteranlage her – der Kreativität waren dabei keine Grenzen gesetzt. In jedem Fall war es doch eine wichtige Erfahrung, dass selbst hergestellte Alltagsgegenstände einen ganz anderen Stellenwert hatten und haben – auch die von den Schülerinnen und Schülernn hergestellten Gegenstände – als solche in unserer heutigen Wegwerfgesellschaft. Mit Wachstäfelchen als Einkaufszettel zum Aldi – das wäre doch mal was.

Nach drei Stunden Führung und Praxisworkshop trat die Exkursionsgruppe den Heimweg nach Groß-Bieberau an – allerdings nicht ohne viele neue Eindrücke aus den Führungen im Kopf und „etwas Handfestem“ aus den Workshops im Gepäck.

(Sophia Brand, Felix Heidrich, Ruben Schaal)