Fangen wir an zu reden

Vor geraumer Zeit erschien der Bericht der Kollegin Dagmar Ast über die Geschehnisse um
FUTURE.LAB.
Zur Erinnerung: unsere Schule konnte mit einem Video an das Projekt FUTURE.LAB Schule
2030 (https://futurelabschule2030.home.blog/), das in Zusammenarbeit mit dem Schulamt
Darmstadt-Dieburg durchgeführt wurde, teilnehmen.
Heute, zwei Monate nach dem Auftakt, könnte man einen Blick darauf wagen und die bereits
gestellten Fragen nach Aufgabe, Sinn, Chancen und Zukunft der Schule erneut stellen.
Die Kritik war nicht zu überhören, aber die Visionen sind noch nicht erkennbar. Eventuell hört
man nur nicht wirklich hin.
Wie würde ein Schüler oder eine Schülerin den Schulalltag beschreiben? Hier ein Versuch:
„Ich stehe morgens auf, zu einer Zeit, die für mich vollkommen unnatürlich erscheint. Mein
Körper befindet sich noch im Tiefschlaf als der Gong zur ersten Stunde läutet. Dazu verbringe
ich meine Zeit im Unterricht meist im Sitzen, während es mein Drang ist aufzustehen und ein
paar Schritte zu gehen, einfach so, ohne triftigen Grund, nur das ist meistens untersagt.
Die Klassenräume, in denen ich mich aufhalte, sind zu klein, bzw. die Klassen viel zu groß. Ich
komme nicht so oft dran, wenn ich mich melde und fühle mich oft machtlos und nicht gehört.
Einmal in der Woche haben wir die Chance gemeinsam über unsere Probleme zu sprechen.
Nicht immer wissen wir, wie man eine vernünftige Diskussion in der Gruppe führt. Die Lehrer,
die uns begleiten, sind nicht immer bereit zu moderieren. Meistens wird stattdessen
Fachunterricht gemacht, was mich frustriert.
Ich habe festgestellt, dass die Themen, die wir immer behandeln, irgendwie miteinander
vernetzt sind, nur sind sie selten zeitgleich und sie werden nicht direkt in Zusammenhang
gebracht. Wäre es nicht sinnvoller, gemeinsame Themen gemeinsam zu betrachten, öfters
Projekte zu unternehmen, welche mehrere Fächer verbinden? Da wäre ich sofort dabei.
Begeisterung für eine Sache bringt mich viel weiter, als der Wunsch für die gute Note. Ich
möchte auch die Chance haben, in meinem Tempo zu lernen, ohne gleich wie ein Versager
dazustehen.
Ich bin durch den Leistungsdruck gestresst, ich möchte Erfolg haben, um die Eltern nicht zu
enttäuschen und um dem eigenen Selbstbild zu genügen. Oft ertappe ich mich dabei, die
Ellenbogen auszustrecken. Das gefällt mir eigentlich nicht, denn ich bin im Grunde ein offener
und fairer Mensch.
Manche meiner Mitschüler zerbrechen regelrecht an dem Druck. Ängste begleiten sie ständig,
sie möchten am liebsten zu Hause bleiben, weg von der nächsten Klausur, weg von der
nächsten Messung. Ich wäre für mehr experimentelles Lernen.
Ab und zu wäre ich gern raus aus dem Schulalltag. Es gibt so viele interessante Möglichkeiten:
Museen, Ausstellungen, Theater, Musik- und Tanzvorführungen. Dort sammle ich Erfahrungen,
die lange in Erinnerung bleiben und die mich positiv beeinflussen. Wieso nicht mehr davon?“
Hört man ein Misstrauensvotum? Gibt es einen erkennbaren Auftrag für Schule und
Beteiligten? Eventuell ja und es könnte lauten: Konstruktives Einbringen in der SV-Stunde
unterstützen. Es melden, wenn Ungerechtigkeit erfahren wird. Ein noch besseres
Miteinander in der Schulgemeinde fördern, Verbindendes statt Trennendes erkennen.
Ich bin Lehrende in der Albert-Einstein-Schule. Ich träume von einem Aufruf, wie diesen:
„Ich erkenne, dass wir, die Schülerinnen und Schüler dieser Schule, gemeinsame Träume,
Ängste, Hoffnungen und Ziele haben. Ich erkenne, dass wir gemeinsam richtig stark sein
können. Ich erkenne, dass meine Lehrerinnen und Lehrer nicht meine Feinde sind. Sie dienen
einem Model, welches sie, genauso wie ich, verändern möchten. Ich lasse zu, dass es geschieht.
Sie lassen zu, dass es geschieht. Es ist in unserer Hand. Die Welt in der wir alle leben, ist
zukunftsorientiert. Diese Zukunft beginnt jetzt und wird maßgeschneidert.“
FUTURE.LAB ist ein Versprechen. Die Schule, in der wir lehren und lernen ist eine Realität. Wir
schauen sie furchtlos an. Wir begegnen ihr in Erwartung.

Nasia Papadopoulou-Poth