„Fast alles über Jazz...“

Tony Lakatos-Quintett zu Gast an der AES


Swingende Trompetenklänge, coole Basslines und antreibende Schlagzeug-Grooves – es sind ungewohnte Klänge, die an diesem Vormittag in der Aula der Albert-Einstein-Schule zu hören sind. Dort, wo sonst für gewöhnlich Schulorchester, Band und Chöre proben. Doch heute ist das Tony Lakatos-Quintett nach Groß-Bieberau gekommen, um den Schülerinnen und Schülern in zwei Konzerten „Fast alles über Jazz“ zu vermitteln.

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Schulleiter Dr. Martin Grosch begrüßt die Musiker, allesamt Profis in der Bigband des Hessischen Rundfunks, und dankt ihnen dafür, dass sie solch ein Highlight in den Schulalltag bringen. „Silver and Gold“ eröffnet das Konzert, und bereits die ersten Töne ziehen die Schülerinnen und Schüler in den Bann, ist es doch für viele die erste hautnahe Begegnung mit Jazz. Die Atmosphäre ist entspannt, „jazzig“ eben, keinesfalls steif oder förmlich wie in einem Konzertsaal. Durch das Programm führt Jochen Doufrain, Koordinator des Netzwerks „Musik und Schule“. Was Jazz für ihn bedeute, fragt er den Trompeter Axel Schlosser. „Jazz ist mein Lebensinhalt und meine Lebensaufgabe, darin jeden Tag besser zu werden.“ Dafür übe er einen anspruchsvollen Solopart auch schon mal mehrere Wochen, beantwortet er die Frage eines Schülers. Und das junge Publikum spürt diese Leidenschaft der Musiker, die in jedem Ton steckt. Ihre Begeisterung für die Musik wollen sie an die Schülerinnen und Schüler weitergeben, und das kommt an. Anschaulich vermitteln sie die Entstehung des Jazz im frühen 20. Jahrhundert, erklären klangvoll das Bluesschema und demonstrieren anhand des Stückes „Leonard“ die Funktion der einzelnen Instrumente im Quintett. Auch für persönliche Ausführungen der Musiker ist Platz, sie geben gerne Auskunft über ihre eigenen Wege zur Musik und den Arbeitsalltag in der HR-Bigband. Tony Lakatos, Saxophonist und Namensgeber des Quintetts, stammt aus einer ungarischen Geiger-Familie, in der täglich musiziert wurde. Diese ungarischen Wurzeln werden als Verbindung von Volksmusik und Jazz im Stück „Be-bop Csardas“ hörbar. Am Ende wird es noch mal besinnlich. Um das Prinzip des Improvisierens zu verdeutlichen, werden die SchülerInnen aufgefordert, eine Stimmung oder Klangfarbe zu nennen, die die Musiker vertonen wollen. „Winter triolisch“ lautet die Vorgabe. Und so endet das Konzert mit einem stimmungsvollen „Winter Wonderland“.

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Im Anschluss stellen sich die Profis den Fragen der Schülerinnen und Schüler. Da wird über Klavier-Voicings und Schlagzeugtechnik gefachsimpelt, Literaturtipps gegeben und ermahnt, bitte erst die Hausaufgaben zu erledigen, bevor man sich dem Instrument widme. Manche Schülerinnen und Schüler erwecken den Eindruck, als wollten sie die Musiker am liebsten gar nicht gehen lassen.

Eine eindrucksvolle Musikstunde, live und sozusagen zum Anfassen. Ein Schüler resümiert seine Erfahrung des Vormittags: „Das war das coolste, was ich je gehört habe.“

(Text: Miriam Reinelt, Fotos: Klaus Vetter)