Ich glaub, ich steh im Wald hier

Der pädagogische Tag 2017

Dass der Sport auch nützliche Seiten hat, weiß jeder, so kann er zum Beispiel als Spender von Metaphern es erleichtern, seinem Leben Bild und Orientierung einzuflüstern.

Was aber bleibet, stiftet zu gegebenem Anlass der Dichter Ringelnatz

Klimmzug

Das ist ein Symbol für das Leben.

Immer aufwärts, himmelan streben!

Feste zieh! Nicht nachgeben!

Stelle dir vor: Dort oben winken

Schnäpse und Schinken.

Trachte sie zu erreichen, die Schnäpse.

Spanne die Muskeln, die Bizepse.

Achte ver die Beschwerden.

Nicht einschlafen. Nicht müde werden!

Du mußt in Gedanken wähnen:

Du hörtest unter dir einen Schlund gähnen.

In dem Schlund sind Igel und Wölfe versammelt.

Die freuen sich auf den Menschen, der oben bammelt.

Zu! Zu! Tu nicht überlegen.

Immer weiter, herrlichen Zielen entgegen.

Sollte dich ein Floh am Po kneifen,

Nicht mit beiden Händen zugleich danach greifen.

Nicht so ruckweis hin und her schlenkern;

Das paßt nicht für ein Volk von Turnern und Denkern.

Klimme wacker,

Alter Knacker!

Klimme, klimb

Zum Olymp!

Höher hinauf!

Glückauf!

Kragen total durchweicht.

Äh – äh – äh – endlich erreicht.

Das Unbeschreibliche zieht uns hinan,

Der ewigweibliche Turnvater Jahn.



2017 Paed Tag 151937

Der diesjährige Pädagogische Tag sollte zwei Ziele verfolgen, zum einen Elemente der Abenteuerpädagogik in den Schulalltag zu implementieren, und zum anderen der Team-Bildung im Kollegium auf die Sprünge zu helfen.

Daher wurde am 31.08. unter der Leitung des Veranstalters „Rückgrat beweisen“ im Jugendhof Bessunger Forst in Roßdorf und im Kletterwald in Darmstadt das Kollegium praktisch und theoretisch mit verschiedenen Möglichkeiten vertraut gemacht, wie man Selbstbewusstsein fördern, Angst überwinden, in Gruppen zusammen arbeiten, seine Grenzen erfahren kann.

In fünfzehn Meter Höhe zu klettern, von Baum zu Baum, auf den Spuren unserer Vorfahren sozusagen sich von Ast zu Ast zu hangeln, war nicht jedermanns Sache, doch eine Erfahrung wert.

Der Kletterwald bietet Parcours unterschiedlicher Schwierigkeitsstufen an, die man außer bei Blitz und Donner zu jeder Jahreszeit durchklettern kann, ob allein oder in Paaren. Die Natur sei prinzipiell unsicher, Gefahren lauerten und Risiken seien schwer kalkulierbar, meinte ein Ausbilder, doch im Kletterwald bewege man sich sicher, wenn auch mit mulmigem Gefühl und höhenängstlichem Schwindel. Doch gruppendynamische Effekte können hier ihre kompensatorische Kraft entfalten. Zum Beispiel schon bei dem Versuch als Gruppe unter ein schwingendes Seil durchzulaufen.

Unter fachkundiger Anleitung wurde das Kollegium geschult, sich auf diesem ungewohnten Terrain zu bewegen. Am Ende war das Interesse so groß geworden, mit Schulklassen sich auf dieses Abenteuer einzulassen, dass eine weitere Fortbildung organisiert wird, die es ermöglicht, den obligatorischen Kletterschein zu erwerben.

2017 Paed Tag 154943

Der zweite Teil dieser Fortbildung hat einen eher konstruktiven Charakter, der darauf setzte, die Stärken der einzelnen Mitglieder des Kollegiums nicht nur bekannt zu machen, sondern auch tatkräftig erfahrbar zu machen. Dabei ging es nicht nur um vertrauensbildende Maßnahmen einer „blinden Gefolgschaft“, sondern vor allem auch um das gemeinsame Herstellen eines Gegenstandes und Lösen einer Aufgabe.

In Gruppen von bis zu zehn Teilnehmern bauten die einen aus spärlichem Material, das sie im Wald fanden, eine Hütte, während die anderen eine Eier-Auffangmaschine konstruierten. Am Ende wurden Ergebnisse verglichen, Erfahrungen ausgetauscht, darüber reflektiert, wie die Gruppe zusammengearbeitet hat und welche Qualitäten dabei zum Vorschein kamen, wenn man in einer simulierten Krisensituation handgreiflich werden muss. Wer am Ende die schönste und stabilste Hütte gebaut hatte, spi8lte schließlich nur eine untergeordnete Rolle, allenfalls einer lässlichen Eitelkeit im Einzelfall geschuldet.

Dass man solche Aktionen auf unserem Schulgelände leicht mit Schülern durchführen kann, darin waren sich alle einig. Es braucht dazu nur den Willen, das dazu notwendige Material anzuschaffen. Oder man geht in unseren Schulwald. Bäume stehen dort genug und den Wald sieht man am Ende auch.

Niemand hat so erhaben den Lehrberuf beschrieben wie Friedrich Schiller in „Der Spaziergang“

Aber im stillen Gemach entwirft bedeutende Zirkel

Sinnend der Weise, beschleicht forschend den schaffenden Geist,

Prüft der Stoffe Gewalt, der Magnete Hassen und Lieben,

Folgt durch die Lüfte dem Klang, folgt durch den Äther dem Strahl,

Sucht das vertraute Gesetz in des Zufalls grausenden Wundern,

Sucht den ruhenden Pol in der Erscheinungen Flucht.