Das „Classic meets Pop“-Konzert

oder

Wie „Humpelstilzchen“ zu seinem Namen kam
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Mittwoch, der 17. Mai:

Irgendwie habe ich auf der Fahrt nach Groß-Bieberau einen Ohrwurm im Kopf, den „Appalachian Snowfall“ des Trans-Sibirian Orchestras. Dieser hat mich seit dem Weihnachtskonzert der Albert-Einstein-Schule auf der Neunkirchner Höhe im Dezember nicht verlassen. Schneetreiben konnte man scheinbar spüren, obwohl´s kein Winter war. Die Vorfreude auf das heutige Konzert ist groß. Warm ist`s und Abkühlung nicht in Sicht.

In der großen Turnhalle anzutreffen sind vorwiegend schwarz gekleidete Jugendliche: Sind das jetzt die Klassiker oder die Rocker? Die Tribünenränge der Turnhalle füllen sich nach und nach komplett: Publikum quer durch alle Altersklassen. Im Hallenraum aufgebaut ist die Bühne der Schulband mit üppiger Technikausstattung, die von der Technik-AG, den Herrschern über Kabel, Regler, Licht und Stecker, unter der Leitung von Erik Trautwein und mit Unterstützung von Marcel Köttner betreut wird (Respekt und Dank!). Vor der Bühne stehen Notenständer, eine ansehnliche Zahl von Stühlen. Rechts im Hintergrund liegen auf dem Hallenboden jede Menge Streichinstrumente.

Und dann geht der Abend- noch ersetzen Sonnenstrahlen die Beleuchtung- mit einer kleinen jazzigen Sensation los: dem „Watermelon Man“. Es kann mitgewippt werden. Die Sensation ist, dass sich „Bläser“ in der Schulband befinden: zwei Trompeten, eine Posaune. Das gab es schon viele Jahre nicht mehr, jetzt wieder, dank des Musiklehrers Klaus Vetter (Posaune). Ja, jetzt so ein Stück Wassermelone zum Groove…

Neben mir fragt ein kleiner Knirps, vorfreudig auf die großen Lautsprecher schauend: „Wann kommt jetzt die laute Band?“ Zu einem reinen Schulbandkonzert hätte er bestimmt nicht mitgedurft, aber Klassik legitimiert auch für Kleingemüse späte Uhrzeiten. Das ist ein cleverer Schachzug der Organisatoren, der mehr Publikum, mehr Werbung für das musikalische Programm der Schule bringt. Auch der jazzige Groove mit Bläsern erreicht neue Fangruppen. Holger Ohl führt als Initiator der Veranstaltung locker moderierend durch das Programm. Dass er selbst Spaß an Musik und Publikum hat, merkt man. Als „Griechenlandliebhaber“ ist´s ihm sogar im Sakko nicht zu heiß. Nach dem peppigen „Save and sound“ geht der Blick in den imaginären Orchestergraben, der sich füllt. „Damit es ein wenig Wind gibt“(so der Moderator), greift die Mitinitiatorin des Abends, Miriam Reinelt als Leiterin des Schulorchesters, zum Taktstock und dirigiert 3 Rockstücke im instrumentalen Klassikkostüm: „ Bitter sweet symphony”,“Dust in the wind” und “Smoke on the water”–echte Klassiker, oder? Auf der Bühne der Schulband finden von Lied zu Lied rege Wechsel statt, vom 8.Klässler am Keyboard bis zum letztjährigen Abiturienten ist alles vertreten, einige Instrumente können doppelt besetzt werden.

Richtig heiß wird es nach dem ruhigen “Every breath you take” von Police (noch einmal durchatmen) mit “Dark Necessities” von den Red Hot Chili Peppers. Es wird zum Mitklatschen animiert. Man sieht die Sängerin Annika Klein kurz tief durchatmen und mit einem Schmunzeln kurz vor dem Einsatz und einem „Year“ geht dann die Post ab. Der kleine Mann neben mir freut sich: „Woher kann die so gut singen?“, staunt er und stellt fest, dass er die Sängerin auch schon im Schultheater gesehen hat. So sieht es aus, wenn jemand Vollgas gibt. Aber auch die anderen Sängerinnen, zum Teil erstmals vor großem Publikum, können sich zeigen und harmonieren gut zusammen. Bei Bonnie and Clyde”, einem auf Deutsch vorgetragenem Duett zeigt sich das besonders gelungen. Nach dem Schulbandpart sorgt das Streichorchester wieder für ein wenig Abkühlung, indem es mit der Filmmusik des Disney-Klassiker „Frozen“ Atmosphäre zaubert. Bei „Fire work” von Katy Perry nicken einige Köpfe im Publikum und einige „Wows“ ertönen. Wann hat man denn das bei Klassik?

Nach dem funkigen „Also sprach Zarathustra“ der Band, das durch den treibenden Rhythmus von Tim Dylan Schmitt (Schlagzeug) und den Steinertgeschwistern an Keyboard und Bass richtig groovt und ohne die „Jungbläser“ nicht auf dem Programm stehen könnte, geht es in die Pause. Die Versorgung der Hungernden und Durstenden in der Pause stemmt der Freundeskreis unter der Leitung von Frau Segebart in souveräner, stets freundlicher Gelassenheit- hierfür ein Dankeschön, das nicht groß genug sein kann.

In den mitgelauschten Pausengesprächen hört man viel Lob und Respekt: „Mutig, sich da auf die Bühne zu stellen und so loszusingen!“. Es zeigt sich, dass im Publikum die „Klassikfraktion“ und „Popfraktion“ nicht zu trennen sind. Schulband und - orchester an einem Abend zu hören, ist eine echte Bereicherung. So ist zum Beispiel ein „Rocker“ davon überrascht, dass die Instrumentalversion des Orchesters von Bitter sweet symphony” so klasse ist. Und man hört, dass es aus dem Schulchor der 5.Klässler wohl auch Interesse an einem Nachwuchsplatz in der Schulband gibt.

Nach der Abkühlung vor der Halle geht´s drinnen weiter. Nach dem jazzigen „Mercy, Mercy, Mercy“ kommt erstmals das Orchester der 6er Streicherklassen fröhlich aufgeregt auf den Bühnenvorplatz, mittlerweile ist es dunkel und die Lichttechnik kommt zum Einsatz. „Applaus Applaus“ von den Sportfreunden Stiller und ein zweiter aktueller Hit (“New soul”) werden instrumental umgesetzt- beste Werbung für die Schule mit musikalischem Schwerpunkt, die sich demnächst für die Neuzertifizierung bewirbt. Im weiteren Programm jagt ein Höhepunkt den nächsten. Die Bandmitglieder unterstützen sich mit großer Spielfreude gegenseitig, so z.B. der singende Nachwuchspianist, der Annika, die an diesem Abend das gesangliche „Supergirl“ ist, beim gleichnamigen Lied. Bei Nirvana geraten alle ins Schwitzen- das darf man in der Turnhalle! Bei Enya, dem Zusammenspiel von Band und Orchester, gibt´s dann Gänsehaut und Handylichter. Für humorige Einlagen sorgt der Moderator: Holger Ohl erntet Zwischenapplaus, als er sich zu einem kleinen Pfeifintermezzo hinreißen lässt. Eine Extraanmoderation, Sonderapplaus und einen Spitznamen, der sich am nächsten Tag sogar in der Presse finden lässt, verschafft er Philip Steinert, dem „Humpelstilzchen“ dieses märchenhaften Abends. Eifrig wechselt dieser zwischen Bühne und Orchestergraben, zwischen Bass („Heute groove ich.“) und Cello („Morgen chill ich.“) hin und her, hoch und runter und das alles gehandicapt und humpelnd: mit Beinschiene und Krücken. Neben seinem Bruder Peter, der zwischen Keyboard und Geige wechselt, absolviert er wohl den sportlichsten Einsatz. Zu toppen wär´s nur, wenn er noch seine Ukulele zum Einsatz gebracht hätte. Bitte beim nächsten Mal!

Mein persönlicher Höhepunkt des Abends sind die beiden Zugaben "Final Countdown” und „Viva la Vida“ von COLDplay: “Orchestergraben und Bühnen sind proppevoll- alles ist aufgeboten: 5 Sängerinnen auf der Bühne, volle Instrumentalbesetzung oben und unten, das Licht flackert farbenfroh, Handylichter spielen Glühwürmchen, Standing Ovations: Viva ihr Musiker! Es hört sich einfach nur toll an. So denke ich mir bei all der Wärme:

“Jja, wie cool ist das denn?“ (Obwohl`s kein Winter ist.)

So gegen 22.30 mache ich mich auf den Heimweg, mit dabei ein neuer Ohrwurm: „Save and sound“- mal sehen, ob das auch wieder bis zum nächsten Konzert anhält.


Verursacher“ dieses gelungenen Abends waren:
  • das Einsteinorchester, Schulorchester und die Streicherklassen der Klassen 6 unter der Leitung von Miriam Reinelt
  • die Schulband unter der Leitung von Holger Ohl
  • die „Jungbläser“ unter der Leitung von Klaus Vetter
  • die unermüdlich spielfreudigen Instrumentallehrer: Cathrin Krippendorf und Claudia Merkel-Hoffmann, Stephan Loew und Horst Willand, deren Unterstützung der Schüler des Schulorchester und der Streicherklassen besonders hervorzuheben ist
  • die Technik- AG
  • alle Helfer des Freundeskreises
  • die Hausmeister Herr Bernhard und Herr Sturm

Ihnen allen sei nochmals gedankt

Schulbandmitglieder:

Gesang: Dorkas Fornoff 6G1, Johanna Gillman 7G1, Luca Lehmann, Kim Trautmann 10HR3, Annika Klein E02, Gina Gerlach Q3

Keyboard: Nina Gebhardt Q1, Moritz Clement 8G2 (+ Technik), Ferdinand Rempiss 9G, Luca Lehman E02, Peter Steinert Q3

Piano: Johanna Gillmann

Schlagzeug: Tim Schmitt E01, Dennis Barkhausen 8G2, Jakob Landzettel Q3,

Bass: Julian Meister 8G2, Marcel Russe E04, Philip Steinert E03

Gitarre: Sarah Hohenegger, 10HR1




P.S.: Am nächsten Tag im Unterricht: 2 Schülerinnen summen sich gegenseitig eine Melodie vor: „beschweren“ sich, dass sie einen Ohrwurm beim Konzert eingefangen haben…

Deshalb nochmals die komplette Ohrwurmliste:

„Watermelon Man“ Jazz-Klassiker von Herbie Hancock

Save and sound” von Capitol Cities

Bitter sweet symphony” vonThe Verve

Dust in the wind” vonKansas

Smoke on the water” vonDeep Purple

Every breath you take” vonPolice

Dark Necessities” vonRed Hot Chili Peppers

“Let it go“ aus dem Disney Klassiker Frozen

„Fire work” von Katy Perry

“Bonnie and Clyde” von Sarah Connor und Henning Wehland

„Also sprach Zarathustra“ von Deodato Jazz/ Funk- Version einer Richard Strauß- Komposition

Mercy Mercy Mercy“ von Joe Zawinul

„Applaus Applaus“ von den Sportfreunden Stiller

New soul”

Supergirl” von Reamon/ Anna Naklab feat. Alle Farben & Younotas

Smells like teen spirit” vonNirvana

Only Time” vonEnya

Welcome to heartlight” vonKenny Loggins

How to save a life” vonThe Fray

Final Countdown” vonEurope

Viva la Vida” vonColdplay

A. Liebel-K.